Aktuelle Ausgabe: Nr. 1* Jänner 09 * 34. Jahrgang


Thema: Koka ist nicht Kokain

ACHTUNG! Die neue Ausgabe ist da und bei Facultas im NIG und am Campus,
bei der Südwind Buchwelt und per Internet erhältlich...


Aktuelle Ausgabe:

Aus gegebenem Anlass haben wir kurzfristig das Schwerpunktthema dieser Ausgabe – geplant war Energieversorgung in Lateinamerika – geändert und den Besuch von Boliviens Präsident Evo Morales in den Mittelpunkt gestellt. Einmal weil uns der indigene Kokabauern-Führer und deklariert sozialistische Politiker als eine der interessantesten Persönlichkeiten der neuen lateinamerikanischen Linken erscheint und weil wir seinen Vorstoß für eine Entkriminalisierung des Kokablattes für eine eigentlich schon längst überfällige Maßnahme halten. Und zum zweiten, weil unser Mitarbeiter Robert Lessmann auf Grund seiner langjährigen Bekanntschaft mit dem bolivianischen Staatschef diesen bei seinem Kurzbesuch in Wien ständig begleitete und somit Zugang zu interessanten Informationen hatte. Wir sind sehr zufrieden damit, was aus diesem Bolivien/Koka-Schwerpunkt herausgekommen ist, und Robert Lessmann dankbar für seinen intensiven Arbeitseinsatz.
Nachdem die USA sie ein halbes Jahrhundert lang – Präsident Eisenhower hatte sie 1954 erstmals öffentlich verkündet – missbräuchlich verwendet hat, wird sie nun tatsächlich Realität in Lateinamerika. Die Rede ist von der Domino-Theorie: Wenn ein Staat „fällt“, d.h. aus dem Lager der „freien Welt“ ausbricht, so werden über kurz oder lang auch die Nachbarstaaten in den kommunistischen Block wechseln. Unter diesem Vorwand fühlten sich die Vereinigten Staaten jahrzehntelang berechtigt, nach ihrem Gutdünken missliebige Regierungen zu stürzen oder unter Druck zu setzen, um den „Domino-Effekt“ zu vermeiden. Nun, wo dieser Effekt tatsächlich eingetreten ist und mit den Wahlen in El Salvador eine weitere Staatsführung auf die linke Seite gewechselt ist, hat Washington – im Großen und Ganzen – eine Politik der Akzeptanz und des Abwartens gewählt. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Vor 30 Jahren wäre Chávez wohl nicht mehr am Leben, und der CIA hätte in anderen Ländern Regimewechsel zumindest versucht.
Wir wünschen eine interessante und spannende Lektüre,
Werner Hörtner, Schlussredakteur

„Coca sí – cocaína no!”... so lautet das Motto der bolivianischen Drogenpolitik unter Präsident Evo Morales. Dieser kam im März überraschend nach Wien zur 52. Commission on Narcotic Drugs der Vereinten Nationen, um dort eine Neubewertung der Koka in den internationalen Konventionen zu fordern. Grund genug, diese Forderung, aber auch Boliviens Politik des „Ja zur Koka, Nein zum Kokain“ unter die Lupe zu nehmen.
Der Kokabusch ist eine uralte Kulturpflanze der Andenregion. Archäologische Funde belegen den menschlichen Konsum von Kokablättern in den Andenländern seit wenigstens 3.000 vor Christus. Die ältesten Zeugnisse in Bolivien sind Steinfiguren der Tiwanaku-Kultur aus dem Jahr 400 vor Christus mit dem Umhängebeutel chuspa, wie er noch heute der Aufbewahrung der Kokablätter dient... Robert Lessmann (mehr in der aktuellen Ausgabe)

„Das Koka-Blatt ist keine Droge!“ - Felípe Cáceres ist bolivianischer „Viceministro de Defensa Social“ und für Drogenbekämpfung zuständig. Robert Lessmann sprach mit ihm über die Strategie des „Coca sí, Cocaína no!“ anlässlich der 52. Commission on Narcotic Drugs der Vereinten Nationen in Wien. Mit dem Besuch des Präsidenten Evo Morales hat Bolivien den lange erwarteten Vorstoß zu einer Neubewertung des Kokablattes unternommen. Was ist darunter zu verstehen? Robert Lessmann (mehr in der aktuellen Ausgabe)

Die Zeiten ändern sich ... Bei seinem Kurzaufenthalt in Wien erinnerte sich der bolivianische Präsident Evo Morales an frühere Besuche in der österreichischen Hauptstadt, als er als armer Koka-Bauernführer bei der UNO auf verschlossene Türen stieß.
IGLA-Mitarbeiter Robert Lessmann zeichnet seine Erinnerungen und seine heutigen Erfahrungen mit den Vereinten Nationen auf.
„Das werde ich den österreichischen Freunden nie vergessen, die mich damals eingeladen haben!“ Präsident Evo Morales erzählt von Mitte der 1990er Jahre, als er als junger Bauernführer nach Wien kam, um damals bereits für eine Entkriminalisierung des Kokablattes zu werben. Man habe ihn gar nicht hineinlassen wollen in die UNO-City – damals! Beim Frühstücksbuffet im Hotel habe er immer gegessen, bis er nicht mehr konnte. Ein Budget für weitere Mahlzeiten hatte er nicht, erinnert sich der heutige Präsident des Andenlandes. Robert Lessmann (mehr in der aktuellen Ausgabe)

Kultur-Elixier Kokablatt - Die Blätter des Kokastrauches spielen eine tragende Rolle in der andinen Lebenswelt; ohne sie könnte auch diese jahrtausendealte Kultur verschwinden.
Das Kokablatt ist ein medizinisches und nährendes Anregungsmittel, ähnlich der Schokolade, dem Tee oder dem argentinischen Mate, doch völlig anders als der Kaffee oder der Tabak, die wohl aufputschen, doch keine heilende Wirkung haben. Koka hingegen ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen Höhenkrankheit, gegen Aufregung und es mildert das Hungergefühl. Doch in erster Linie ist das Blatt ein Bestandteil der andinen Kultur, ganz besonders in Bolivien. Bei den verschiedenen Riten zu wichtigen Ereignissen wie Geburt, Hochzeit und Tod spielt es eine Rolle, aber auch bei anderen kulturellen Praktiken und religiösen Traditionen. Es wird auch bei einigen Entscheidungen, die das Schicksal der Menschen betreffen, konsultiert, um zu einem weisen Entschluss zu kommen. Wenn in einer Handvoll Koka mehr Blätter mit der hellen Seite nach oben zum Liegen kommen, so ist das ein positives Zeichen und bringt Glück, wenn die Blätter dem Klee ähneln, so bedeutet das Reichtum. Ulpian Ricardo López García (mehr in der aktuellen Ausgabe)




 

Das neue Jahr steht im Zeichen der Krise, und so wollen auch wir uns im politischen Schwerpunkt der vorliegenden Nummer die (möglichen) Auswirkungen auf Lateinamerika anschauen. Dabei ist Vorsicht in der Wortwahl angebracht: Der bekannte peruanische, derzeit an der mexikanischen UNAM lehrende Ökonom Oscar Ugarteche alteriert sich über die Rede von der "blobalen" Finanzkrise. Er fragt rhetorisch, warum ein Finanzmarktproblem, das in erster Linie US-amerikanischen und in zweiter Linie EU-europäischen Ursprungs ist, von vornherein mit dem Adjektiv "blobal" bedacht wird. Didie globale Peripherie der 90er Jahre betreffenden Finanzmarktkrisen wurden hingegen als "Mexiko"-, "Brasilien"-, "Russland"- und "Asienkrise" tituliert, obwohl damals teilweise mehr Menschen existenzvernichtende Schläge verkraften mussten, wobei der anerkannte Global Player IWF mit seinen undifferenzierten, ideologie-trächtigen Rezepten teilweise noch Öl ins Feuer goss.

So sehr wir die Kritik Oscar Ugarteches teilen, gilt sie leider nicht mehr für die in der Folge ausgelöste und sich weiter vertiefende Wirtschaftskrise. Diese ist zum globalen Phänomen geworden, wiewohl Lateinamerika diesmal von einer vergleichsweise guten Ausgangsposition den härter werdenden konjunkturellen Zeiten entgegensehen kann.

Mit Migration von und nach Lateinamerika befasst sich der zweite Schwerpunkt dieser Ausgabe, ein Thema das zahlreiche Querverbindungen zu wirtschaftlichen und politischen Krisen aufweist.

In der aktuellen Hintergrundberichterstattung dürfen natürlich die Themen Obama und Lateinamerika, Verfassungsreferendum in Bolivien und 50 Jahre kubanische Revolution - letzteres in Form eines erfrischend kritischen Interviews mit dem weltbekannten Musiker Pablo Milanés - nicht fehlen.

Jürgen Kruezroither
Schlussredakteur


Aufruf zum Internationalen Straßenfestival Cervantino

Guanajuato, Mexiko, 7. bis 25. Oktober 2009

Das Internationale Straßenkunstfestival Cervantino ist eines der berühmtesten Festivals der ‚arte popular’ in Mexiko. Es wird, wie in allen Jahren seit 1975, von der politisch-kulturellen Organisation CLETA organisiert und von 7. bis 25. Oktober in der Stadt Guanajuato stattfinden, ergänzt durch Kulturkarawanen durch fünf mexikanische Bundesstaaten (17. Oktober bis 5. November).

Unter dem Motto

Künstlerische Begegnung der Völker

Europäische Union – Lateinamerika

wird es heuer (in seiner 35. Ausgabe) um folgende inhaltliche Schwerpunkte gehen: Umweltschutz und Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung der Geschlechter, Achtung der Menschenrechte.

KünstlerInnen (Einzelpersonen und Ensembles) aus EU-Ländern, die mit Werken der Gattungen Theater, Tanz, Tanztheater, Musik, Zirkus u.ä. teilnehmen wollen, können unter www.cleta.org/encuentro

den Antrag auf Teilnahme herunterladen und sollten ihn bis spätestens 31. März 2009 an igla@aon.at mailen.

Die IGLA wird in Zusammenarbeit mit ihrer langjährigen Partnerorganisation CLETA die Teilnahme europäischer KünstlerInnen koordinieren.

Die Teilnahme ist für alle Mitwirkenden kostenlos, sie erhalten für die Zeit des Festivals Quartier und Verpflegung; auch für die Transportkosten innerhalb von Mexiko wird CLETA aufkommen. Die TeilnehmerInnen bemühen sich selbst um finanzielle Unterstützung von anderer Seite für den Flug nach Mexiko und zurück.

Nähere Informationen unter www.cleta.org/encuentro sowie telefonisch unter (00431)-728 64 12

Mit der Bitte um Weiterverbreitung

und freundlichen Grüßen

IGLA/Vorbereitungsgruppe Straßenkunstfestival

 

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat auch Lateinamerika erfasst. Sie äußert sich in sinkenden Rohstoffpreisen, abstürzenden Landeswährungen, Kapitalflucht und Kreditknappheit. Die Geldüberweisungen von EmigrantInnen sinken ebenso wie die Einnahmen aus dem Tourismus. Auch wenn die Region dank höherer Devisenreserven besser gerüstet ist als in früheren Krisen, werden Wachstum und Sozialausgaben zurückgehen, während Arbeitslosigkeit und die in Lateinamerika besonders ausgeprägte soziale Ungleichheit weiter zunehmen werden.

In weiten Kreisen wird die Krise nicht bloß als ein Problem des Finanzsektors gesehen, sondern als Scheitern der neoliberalen Ideologie, ja des kapitalistischen Wirtschafts- und Zivilisationsmodells überhaupt. Das kam selbst beim Ibero-amerikanischen Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs ende Oktober in San Salvador zum Ausdruck: Während ein Teil von ihnen (Mexiko, Chile, Brasilien) sich auf die Forderung nach Reformen des derzeitigen Finanzsystems beschränkten, sprachen sich andere (Ecuador, Bolivien, Nicaragua) dafür aus, internationale Finanzorganisationen wie Währungsfonds und Weltbankd auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen, sahen das Ende des Kapitalismus gekommen und forderten ein alternatives Wirtschaftsmodell sowie verstärkte regionale Integration.

Hermann Klosius
Schlussredakteur




Bolivien stand einige Tage Mitte September am Rande eines Bürgerkriegs neuer Art. Den teils blutigen Auseinadersetzungen zugrunde lagen ökonomische Interessen wie auch rassistische Motive. Mindestens 30 Tote, zahlreiche Verletzte und eine Anzahl niedergebrannter Regierungsbüros sind eine tragische Zwischenbilanz. Hugo Chávez’ Drohungen einer militärischen Intervention zugunsten seines Freundes Evo Morales haben die Sache nicht besser gemacht. Dank der politischen Intervention der lateinamerikanischen Staatengemeinschaft konnte der Konflikt vorerst entschärft werden. Trotzdem haben wir uns entschlossen, den Schwerpunkt dieser Nummer in letzter Minute über den Haufen zu werfen und möglichst viel aktuelle Information und Analyse zu den Ereignissen in den bolivianischen Tieflanddepartements zu bringen.

Um neue Akzente zu setzen, haben wir uns entschlossen, einen eigenen kulturell-sozialanthropologischen Teil einzuführen, der von unserer Mitarbeiterin Eveline Rocha-Torrez koordiniert und editiert wird. Wir hoffen, damit wirklich eine Lücke zu füllen.

Ralf Leonhard
Schlussredakteur




Juni-Ausgabe:

Das Schlagwort vom "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" ist in Lateinamerika derzeit sicherlich geläufiger als in Europa. Skeptiker sehen darin einfach den Effekt von Hugo Chávez´ (öl)geschmierter Propagandamaschinerie, doch diese Redaktion hat zumindestens mehrheitlich eine differenziertere Sicht.

In Lateinamerika treten seit längerem die Folgen von Neoliberalismus und Globalisierung brutaler zu Tage als hierzulande. Entsprechend erregt die Bemühung um politische Alternativen ebendort mehr (kontroversielle) Aufmerksamkeit. In dieser Ausgabe wollen wir ein Bild dieses "neuen Sozialismus" zeichnen: von seinen Wurzeln in den sozialen Bewegungen des Kontinents, über die Kriterien, denen eine solche "Mitbestimmungsdemokratie" genügen muss, bis hin zur Frage, wie eine "Neugründung des Sozialismus" in Europa aussehen könnte.

Jürgen Kreuzroither
Schlussredakteur




Ausgabe Jänner 2007:

Nachdem wir wiederholt über die Hoffnungen, die mit dem politischen Umschwung in Südamerika einhergingen, berichtet haben, wollen wir diesmal einen nüchternen Blick auf die Bilanz der sozialreformerischen Regierungen werfen. Wenn die große Revolution auch ausgeblieben ist, so konnte doch in kleinen Schritten ein bisschen mehr Demokratie und Gerechtigkeit erstritten werden. Das ist bei den gegebenen Rahmenbedingungen schon ein beachtlicher Erfolg.

Ralf Leonhard
Schlussredakteur

Linke Rhetorik und enttäuschte Hoffnungen
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Ist die Linke in Lateinamerika wirklich via Wahlurne auf dem Vormarsch oder zähmt der Marsch durch die Institutionen auch den entschlossensten Revolutionär? Vor allem wirtschaftspolitische Sachzwänge zeigen jedem, der mit großen Ambitionen die Regierung übernimmt, seine eng gesteckten Grenzen. Oft sind nicht die, die am lautesten schreien, die erfolgreichsten Sozialreformer.

Von Ralf Leonhard


Vom Versuch realistischer Radikalität
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Während sich anderswo die Hoffnung in eine gerechtere Politik von Linksregierungen langsam enttäuscht oder sich anfängliche Radikalität in realistische Politik verwandelt hat, steht Ecuadors Regierung erst am Anfang: So wären Radikalität und Zähmung die zwei unwahrscheinlichen Extrementwicklungen einer Politik, die die neue ecuadorianische Regierung des Präsidenten Rafael Correa vom Weg anderer lateinamerikanischer Linksregierungen unterscheiden könnte.

Von Jonas Henze


Der Präsident in seinem Labyrinth
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Die Bilanz der Präsidentschaft von Evo Morales ist nach einem Jahr insgesamt positiv. Doch die Rechte organisiert sich neu und die Regierung sieht dabei nicht immer gut aus.

Von Robert Lessmann












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